Von wegen Krise der Spieleindustrie, von wegen Gratismentalität, von wegen Raubmordkopierer: Wer das Humble Indie Bundle haben will, legt dafür genau so viel Geld hin, wie er will. Das Pay-What-You-Want-Angebot bietet zusätzlich die Option, das gespendete Geld an einen karitativen Verein zu widmen. Bisher wurden in wenigen Tagen rund 1 Million Dollar eingenommen - ein unglaublicher Beweis für die Bereitschaft der Spieler, Geld zu bezahlen für ihr Hobby, wenn sie weder gegängelt noch über den Tisch gezogen werden.
Mit im Paket sind: World of Goo, Lugaru, Penumbra: Overture, Aquaria, Gish und Samorost 2. Und das alles zu jedem Preis, den man selber vorschlägt. Nur mehr wenige Tage!
Montag! Na, dann erschüttern wir mal die Weltbilder. Die 2007 produzierte Doku "The Penultimate Truth about Philip K. Dick" wirft einen genauen Blick auf die "Erweckungserlebnisse" des SF-Autors, die er in seinen autobiografischen Romanen der VALIS -Trilogie verarbeitet hat. In neun Teilen auf YouTube (Rest beim Weiterlesen ).
Und ein Flavour-Zitat aus VALIS zum Abrunden:
"I've always told people that for each person there is a sentence -- a series of words -- which has the power to destroy him. When Fat told me about Leon Stone I realized (this came years after the first realization) that another sentence exists, another series of words, which will heal the person. If you're lucky you will get the second; but you can be certain of getting the first; that is the way it works. On their own, without training, individuals know how to deal out the lethal sentence, but training is required to deal out the second."
Wenn man genauer nachdenkt: Jo eh! Trotzdem irgendwie bisher nicht ganz bis ins Frontalhirn durchgedrungen: Jedes Dokument, das man auf einem digitalen Fotokopierer kopiert, wird auf einer Festplatte im Kopierer gespeichert und kann danach einfach ausgelesen werden. Kein Schmäh .
Potzblitz! Dieser nette Hund taucht, so stellt der britische Guardian in einer Fotostrecke fest, auf auffallend vielen Bildern von Protesten und Demonstrationen gegen die griechische Staatsmacht auf, und das angeblich nicht erst seit kurzem, sondern schon seit zwei Jahren. Mehr Info zu dem stadtbekannten vierbeinigen Anarcho hier , mehr Fotos hier .
Und wieder kommt mir dazu William Burroughs in den Sinn. In "The Western Lands" beschreibt WSB die "door dogs" - wer das Pech hat, von bösen Rivalen mit dem Fluch eines "door dogs" belegt zu sein, findet sich plötzlich in ständiger Begleitung eines kleinen, schwarzen Hundes, der sich wieselflink immer gerade außerhalb des Gesichtsfeldes hinter einem aufhält und einen beständig verfolgt - auf der Straße, im Restaurant, zuhause. Die door dogs sind Ankünder und Überträger des Fluchs in einer Person, wie die Vorboten einer spirituellen Pest:
"There is no clear line between harbinger and carrier but one shades into the other. (...) The door dog is loaded with doom and misfortune, as a snake in spring is loaded with venom. The door dog is directed toward a specific target.It has been said that man makes dogs in his own worst image. Certainly your door dog is recriprocally fashioned as a vehicle for the worst image of the target. The door dog fits a target as a key fits a lock."
Möge dieser Wuffi der "door dog" von George Soros und Konsorten sein!
Die deutsche Ausgabe der Monde Diplomatique bietet monatlich Hintergründe zum Weltgeschehen, wie sie höchstens sonst nur hin und wieder Die Zeit zustandebringt. Neben dem Atlas der Globalisierung gibt es auch immer wieder Sonderausgaben, aktuell etwa den Band "Indien. Die barfüßige Großmacht", in dem die zweitbevölkerungsreichste Nation und größte Demokratie der Welt näher unter die Lupe genommen wird. Gibt's aktuell um 8,30€ in jedem gut bestückten Zeitschriftenhandel.
Tipp zur Monatsausgabe: Am, wenn ich mich recht erinnere, ersten Freitag im Monat (also morgen!) gibts die normalerweise um etwa 4€ einzeln zu erwerbende Monde Diplomatique als Gratisbeilage zur deutschen taz .
und nun ist das ganze gute stück von caribou zu haben! swim - das neue album. es schließt nicht mehr an das hippie-krautrockding der früheren alben an, sondern geht in eine melodic minimal disco richtung. auch sehr schön! ich werd mir sein konzert auf alle fälle am 22.juni im b72 anhören. es war schon 2007 das konzert des jahres...
Jetzt ist es wirklich bald soweit! diesen sonntag wird im einbaumöbel aufgegeigt! und zwar zum vorläufigen letzten mal im einbaumöbel, da wir große umbauaction ab sofort haben. das magistrat is watching us!
Johnny Cashs grandioses "God's Gonna Cut You Down" zeigt hier, im GTA IV-Machinima-Videoremix, wie nahe das Virtuelle schon an der Realität liegt. Die eigene Ästhetik, die das 2008er-Topspiel "GTA IV" mit seiner unglaublich lebensechten Großstadtsimulation auszeichnet, war hier für Koyaanisquatsi schon einmal der Hauptdarsteller. In Schwarzweiß, gemeinsam mit dem Sound des unsterblichen Man in Black, zeigt sich auch für Nichtspieler, was für ein famoses Werkzeug im vermeintlichen Spielzeug versteckt ist.
Welche Ausrede zieht immer, selbst wenn der Geburtstag der Mutti oder die eigene Hochzeit am Programm steht? Eh klar: Arbeit geht vor. Immer. Hauptsache, man hat eine anständige Arbeit, weil sonst, so offenbar die Angst der fantasiebeschränkten Arbeitsverehrer, fällt einem nur Blödsinn ein, man sitzt dumm rum, geht allen auf die Nerven und wird halt einfach seines Lebens nicht froh. Schaffe, schaffe, egal, ob man sich dabei Physis und Psyche auf Jahrzehnte unwiderbringlich zerstört: Es muss halt sein, weil, was sonst?
Arbeit macht frei! Was schon im KZ eine unerträglich zynische Lüge war, wird außerhalb dennoch still zur Kenntnis genommen, vielleicht etwas abgewandelt: Wer keine Arbeit hat, ist unfrei. Angeblich. Dass nicht das Fehlen der Arbeit das Problem ist, sondern ganz andere Mängel, wird dabei auch auf den Maiaufmärschen vergessen, wo treuherzig davon die Rede ist, "Arbeit für alle" solle hergestellt werden, jeder habe ein "Recht auf Arbeit", und überhaupt sei "Vollbeschäftigung" das ultimative Ziel. Lieber voll beschäftigt als nüchtern arbeitslos?
Gut, ein wenig kommt der Zeitgeist der überall wachsenden Fustration am Arbeiten doch entgegen. Es ist zwar immer noch höchst unfein, sich über die Arbeit an sich zu beschweren ("Sei froh, dassd a Hockn host!"), aber wenigstens gibts ja jetzt die Work-Life-Balance als anzustrebendes Ziel. Entlarvend, wie hier Arbeit und Leben als Gegensätze dastehen, bildlich in der Balance hängen: Zu viel Arbeit, zu wenig Leben - und umgekehrt? Zu viel Leben, zu wenig Arbeit? Ja bitte, das Zweite, einmal, zum Mitnehmen. In den Park. Oder ans Meer.
Auch im Standard wird Ketzerisches geschrieben, mit Verweis auf Marxens Schwiegersohn Paul Lafargue. Der hat das mit dem Recht auf Arbeit auch eher als Drohung verstanden und 1848 das Recht auf Faulheit proklamiert.
Webtipp aus dem Archiv: The Idler, "a bi-annual, book-shaped magazine that campaigns against the work ethic." Weil wenn in 30 Jahren Roboter die ganze öde Arbeit verrichten und den Wohlstand vermehren und wir dann IMMER NOCH wie die Blöden dem Brotberuf nachrennen, dann ist was falsch rum gelaufen.
Und falls jemand nach Deichkind oben zum Thema noch Dada-Energien in sich verspürt, klickt auf Weiterlesen.
Reality Cracking, aber richtig: Der Codex Seraphinianus ist ein Werk, das direkt aus der Feder des großen Phantasten Jorge Luis Borges stammen könnte.Der italienische Künstler Luigi Serafini hat in dieser visuellen Enzyklopädie in den Siebzigerjahren ein Nachschlagewerk für ein fremdes Universum erschaffen - in einer unentzifferbaren Sprache, mit wunderschönen, aber verstörenden Abbildungen und Illustrationen.
Hier gibts noch einige Seiten davon zu sehen, zu kaufen gibts das ultra-rare Werk nur mehr von Gebrauchthändlern zu halsabschneiderischen Preisen.
Was das Ganze vielleicht soll, hat der oben erwähnte Borges, der literarische Gott der Möglichkeiten, in einem schönen Text vor Jahrzehnten beschrieben, der dankenswerterweise komplett online zu lesen ist: In Tlon Uqbar, Orbis Tertius geht es um eine Enzyklopädie zu einem fiktiven Reich, und um das Verhältnis der Realität zu ihrer Nacherfindung.
Ebenfalls passend, und weils so schön zum Thema geheimnisvolle Bücher passt: Das Voynich-Manuskript ist ein noch mysteriöseres wissenschaftliches Rätsel. Ein Buch, das ebenfalls in einer unbekannten Geheimsprache verfasst ist, und, wie vor kurzem scheinbar bestätigt wurde, stolze 600 Jahre auf dem Buckel hat. Friss das, Dan Brown.
Ein Spielelement, das leider immer, immer vernachlässigt wird, ist die Musik. Deshalb ist es eine wunderbare Idee, die Songs von der eigenen Festplatte als Spielelemnte einbauen zu können - immerhin ist das der Sound, den man wirklich gern hört. Vor zwei jahren hat Audiosurf vorgemacht, wie man aus mp3s futuristische Rennstrecken bastelt, nun versucht sich "Beat Hazard" (bislang XBox360, jetzt PC) an der Fusion von Musik und Adrenalinstroboskop.
Das klassische Spielprinzip - man steuert mit der Tastatur ein Raumschiff, gezielt wird mit der Maus - wird durch den Hintergrundsound gehörig aufgefettet: Schüsse und Gegner pulsieren im Takt der ausgewählten Stücke, beim Einsammeln von Powerups wirds lauter und wenn Breaks oder laute Refrainpassagen loslegen, explodiert das Spielfeld förmlich in psychedelischen Farben. Ein interessantes Trance-Erlebnis, das nach kurzer Einübung wunderbare Flow-Erlebnisse ermöglicht. Und die Musik ist sowieso super - zumindest auf meinem Rechner :-D
Zum freundlichen Preis von 5,24€ auf Steam erhältlich.Und es gibt auch eine kostenlose Demo .