Montag! Und ob Montag auf der ganzen Welt gleich Scheiße ist, könnte man auch mal erörtern. Dass Sonntag weltweit ganz verschieden, aber recht idyllisch abläuft, verdeutlicht dieses Experiment auf reddit: Mit dem Titel "Describe your current setting" hat Redditor gripper gestern über tausend Nutzer der Social-Bookmarks-Seite dazu gebracht, eine Momentaufnahme ihres Sonntags in den Kommentaren zu posten.
Besser lässt sich der verblüffende Gleichzeitigkeitseffekt des Internet weltweit fast nicht darstellen. Als würde man Twitter auf eine einzelne Seite einebnen - ein Querschnitt durch ziemlich viel vom ganzen Planeten, von Moskau über Kairo, Vietnam, Bangladesh, Südafrika, den USA, Europa etc etc. Faszinierende Montagslektüre!
Nach längerem Schweigen zeigt Mr. NIN wieder Flagge. "How to Destroy Angels" ist das neue Projekt von Trent Reznor, und der erste Videobote ist eine beeindruckende Hommage an David Lynch.
Und Trent Reznor macht keine Gefangenen, sondern zeigt der Musikindustrie wieder mal den Stinkefinger. Die ganze EP gibts GRATIS zum Download hier .
Ende 2009 hat mich ein recht existenzialistisches Spiel trotz aller anscheinender Trostlosigkeit begeistert (hier auf tamtam, hier ausführlicher), und ich war damit nicht allein. Molleindustrias "serious game" Every Day the Same Dream war auch die Direktvorlage für diesen Kurzfilm, der Themen und Bilder des Kurzspiels weiterspinnt und wiedergibt.
Die Macher Patryck Senwicki und Tamas Kiss sind Landsleute, wenn man dem Wiener Nummernschild im Video trauen kann. Sehr hübsch, das, obwohl angemerkt werden muss, dass in der nicht-interaktiven Filmvariante das für mich entscheidende Moment der eigenen Entscheidungsfreiheit, was mit dem Leben im Hamsterrad anzufangen sei, offensichtlich wegfällt. Trotzdem: Sehr schön, aber halt deshalb NOCH etwas düsterer. Wien im Winter, ist ja logisch.
Montag! Da schadet ein bisschen Überblick nix. Zum Beispiel von hier: Astro_Soichis Twitterfeed ist etwas recht Besonderes, immerhin ist der Ausblick von seinem Appartement sensationell. Direkt von der ISS sendet der Mann täglich Fotos aus 350 km Höhe. Drum: Ist der Montag mal zum Toben, beruhigt enorm der Blick von oben.
die risa stellt euch gleich zwei - ihr zur zeit große freude bereitende - bands bzw. artists vor:
zum einen das sideproject FRIDGE von kieran hebden, besser bekannt als four tet; allerdings bin ich erst nach dem ersten enthusiastischen anhören draufgekommen, dass sich ER dahinter verbirgt. ein wow. leider bietet youtube die guten songs (noch) nicht an...besser sich gleich das ganze album HAPPINESS anhören! achtung: ist aber nicht neu.
darauf schmiegt sich susumu yokota an. eh kloar: ein extrem talentierter japaner, der CLASSICAL MASHUPS fabriziert. auf dem album SYMBOL werden mahler , debussy , mussorgsky und co in minimalistischer weise neu interpretiert. dieses album ist wunderschön! empfehlung!
Potzblitz, noch etwas, wofür Twitter gut ist. 140 Zeichen sind nicht gerade üppig, aber immerhin kann man ja bekanntlich auch mit sechs Worten große Kurzgeschichten schreiben.
TinyTales ist das für den Grimme Online Preis nominierte Projekt von Florian Meimberg, und er versteht es ganz gut, in Kurzform Interessantes zu beginnen und überraschend zu beenden. Kostproben?
"Das mit der Wiedergeburt hatte sich Kate irgendwie anders vorgestellt. Epischer. Träge schwappte das Wasser an die Wand des Goldfischglases."
oder das:
"Klara musterte den seltsamen Mann. „Welcher Adolf? Ich habe überhaupt keinen Sohn!“ Der Fremde lächelte. „NOCH nicht.“ sagte er und schoss."
Ich kann mich noch gut erinnern, dass genau dieses Video im Original damals in den Achtzigern mächtig EIndruck auf mich gemacht hat ;-) Diese Version ist aber eindeutig noch besser. Nachlese: Spaß mit 80er-Pop
Jeder kennt's vom Namen, die wenigsten haben's gelesen, und das ist Jahrzehnte her: "Neuromancer" von William Gibson ist ein Buch, das an Wichtigkeit schwer zu überschätzen ist. Heute, stolze 26 Jahre nach Erscheinen, ist Gibsons Werk beim erneuten Lesen frisch wie wenige andere. Und das liegt nicht am "Cyberspace", den der Amerikaner damals quasi nebenbei als weltumfassendes Netzwerk prophezeite, sondern an etwas ganz anderem: Wie wenige Autoren zuvor ließ Gibson die ganze Welt als vielschichtiges, ungleichzeitiges Kontinuum zum Schauplatz seiner SF werden, wurden Tokyo, Istanbul und Finnland zu exotischen Orten mit unterschiedlichen Technologiehorizonten. Es gibt nicht nur eine Zukunft - es gibt viele, in unterschiedlichen Graden, die auf unterschiedlichen Vergangenheiten aufbauen.
Dieser Schritt in die reale Welt, weg vom Outer Space oder dem panamerikanischen Futurismus, wird erst in letzter Zeit von seinen Nachfolgern so richtig nachvollzogen. Aktuelles Beispiel: der diesjährige Nebula-Award-Gewinner Paolo Bacigalupi.
"The Windup Girl" spielt in dem, was nach großen ökologischen und technologischen Apokalypsen von Thailand und dem Rest der Welt übrig ist. Umweltkollaps und Gentechnik-Katastrophen haben die Welt verändert, doch der Mensch als Spezies existiert und ändert sich nicht im Zeitrahmen von Quartalen, Jahren oder gar Jahrzehnten - so ergibt sich, wie bem hierorts bereits einmal besungenen Ian McDonald und seinem Indien-SF-Trip "River of Gods" , ein beeindruckender Flickenteppich aus Futurismus und Tradition, aus Südostasien und Postglobalisierung, aus Chaos und Beharren. Dabei verfällt Bacigalupi nicht in simple Dritte-Welt-plus-Science-Fiction-Exotik, sondern lässt, wie McDonald in seinem Buch über den 100. Geburtstag Indiens, eine beeindruckende Kenntnis von Philosophie, Mentalität und sozialen Verhältnissen seines Schauplatzes erkennen. Wie schon immer gepredigt: SF zeigt die Gegenwart, nicht die Zukunft.
Neben Bacigalupi und McDonald erweitert sich das Feld der Science-Fiction durch die globale Vernetzung übrigens deutlich. Wer Lust bekommen hat, die globalisierten Zukunftsvisionen aus unterschiedlichsten Perspektiven zu sehen, sollte einen Blick auf die Short-Story-Anthologie The Apex Book of World SF werfen, in dem SF-Autoren aus China, Israel, Thailand, Malaysia, Serbien und Indien, um nur einige zu nennen, ihre zum Teil in den eigenen Sprachen vielfach prämierten Texte auf Englisch versammeln.
Seltsam, seltsam, aber auch seltsam meditativ und melancholisch. Wer mal ein paar Minuten das Gefühl haben möchte, wie in einem traumgleichen Zustand halb betäubt durch sein Unterbewusstsein (oder zumindest das der Google BIlder-Suche) zu schweben, sollte einen Blick auf Prosopamnesia werfen.
Konzeptkunst? Konzeptspiel? Konzeptexperiment? Vielleicht könnte man's auch die poetische Simulation der namensgebenden Krankheit nennen. Sehr seltsam, sehr schön, ein paar Minuten WTF wert.
Wie ist denn der ganze Schlamassel überhaupt zustandegekommen? Wie groß kann der Markt werden? Was ist mit den einzelnen? Und was ist Arbeit in Anbetracht der unpackbaren Weltfinanzdynamik? Das Filmchen erklärt nochmal ganz basal. Für alle inklusive mir, die schon den Überblick verloren haben.